oder: Nachts ist es kalt, im Pfälzer Wald!
Vorwort: Der Blog sollte schon längst Online sein. da gab es ein technisches Problem. Sorry dafür!
Dieses Jahr wurde ich zu einem privaten Camp in den Pfälzer Wald eingeladen. Von zu Hause aus ist das zwar nicht unbedingt eine Weltreise, aber trotzdem muss man ja alles aufs Bike packen, was gebraucht wird. Aus dem vorherigen Camp-Abenteuer gelernt (nachzulesen hier) wurde es schon etwas einfacher, Alma zu beladen.
Dieses Mal musste ich auch die Essensversorgung mit einplanen. Also wurden ein paar Fertiggerichte, Konserven und abgepackte Lebensmittel gekauft. Was fehlte noch? Klar, etwas, um diese Sachen auch warm zu machen. Also musste auch ein Gaskocher her! Bevor ich jetzt ein Vermögen für Allesbrenner von MST oder andere hochpreisige Marken ausgebe, habe ich mich für ein relativ einfaches Modell von FireMaple entschieden. Bei diesem kleinen Gaskocher ist der Topf schon dabei und man kann auch einen Liter Wasser relativ schnell kochen. Für den Anfang und um Erfahrungen zu sammeln, war und ist er absolut ausreichend.


Vor der Tour wollte ich eigentlich noch neue Brems- und Kupplungshebel verbauen. Leider gab es bei den Hebeln ein Produktions- oder Kompatibilitätsproblem, und ich konnte die BMW nicht mehr starten, wenn die Kupplung gezogen war. Auch eine Ersatzbestellung erfüllte diese Funktion nicht. Dementsprechend mussten also die Originalhebels wieder angebaut werden. Schade, es wäre optisch auf jeden Fall eine Verbesserung geworden. Und eigentlich sollte auch ein fahrtechnischer Fortschritt dadurch entstehen. Pech gehabt!
Ich packte das Motorrad und los ging es Richtung Waldfischbach-Burgalben. Schön über Land mit viel Zeit im Gepäck genossen Alma und ich die traute Zweisamkeit. Verkehrstechnisch war es eine sehr angenehme Fahrt, und je weiter man in die Pfalz hineinfuhr, umso ruhiger wurde es. Über den Hunsrück und dann in Richtung St. Wendeler Land, runter über Waldmohr. Da verlor dann das Navi die Übersicht und wir fuhren in die falsche Richtung. Haben aber nicht lange gebraucht, um wieder auf der korrekten Route zu fahren.
Martinhöhe, dann Knopp in Richtung Battweiler runter, war eine wirklich schöne Strecke. Leider gab es hier eine Baustelle, deren Umleitung schlecht ausgeschildert war. Aber auch das haben wir gemeistert. An Thaleischweiler vorbei über die B270 in Richtung Burgalben ging es dann weiter. In einem kleinen Tal neben Clausen war dann unser Platz. Und es ist wirklich ein wunderschöner Platz! Da begrüßte mich auch einer der schönsten André(s), den ich kenne.




Der Platz hat eine wunderschöne Lage. Die Bäume des Pfälzer Waldes standen um uns herum den Hang hinauf, und die Mitte des Platzes wurde durch einen kleinen Bach markiert. Dieser wurde direkt als Getränkekühlschrank umfunktioniert, weil es keinen Strom gab. Genauso wenig wie warmes Wasser, Licht oder Handynetz. Aber kleiner Spoiler: Wir haben alle überlebt!


Das große Zittern – Kälte oder doch Entzug?
Nach dem Eintreffen sämtlicher Teilnehmer wurden nach und nach die Zelte aufgebaut, und zwischendurch traf man sich am Feuer zu einem gemeinsamen Bier und zum gegenseitigen Kennenlernen. Abends gab es dann eine gemeinsame Brotzeit, bei der jeder etwas dazutun sollte. Ich legte natürlich sämtliche Klischees dabei und steuerte Lyoner (NEIN! nicht Fleischwurst!!) und Senf dazu. In meinem Gepäck befand sich auch noch eine Flasche Whisky, die zur nötigen Bettschwere verhalf 😅 (Schierker Feuerstein war zu schnell leer!).

Am Lagerfeuer wurden dann die verschiedenen Möglichkeiten besprochen, was man in den nächsten Tagen fahren kann und vor allem wie. André hat weder Kosten noch Mühen gescheut und ein paar Sachen vorbereitet: Einmal eine Roadbook-Tour, also richtig schönes Rally-Feeling, oder eine Navigations-Tour durch den Pfälzer Wald, die an mehreren schönen Ecken vorbei führte. Dazu machte er uns sogar noch ein Geocaching dazu. Auch formten sich am Lagerfeuer ein wenig die Gruppen und ich hatte die beste Gruppe überhaupt: Jens aus Österreich. Ich sag nur:Bbei der Geburt getrennt 🤣🤣🤣 (Ich habe noch deine Kopflampe). Steffen aus Sachsen, der mit einer 1150 GS da war und einen 40 l Tank an der Maschine montiert hat. Dazu Fußrasten am Motorschutzbügel . Auch geil.
Und Thomas, der bei SW-Motech arbeitet und einstimmig zum Anführer der Gruppe bestimmt wurde. Ob er das überhaupt wollte, bleibt geheim. Wir entschieden uns, am nächsten Morgen die Roadbook-Tour mit der DMD2-App zu fahren.

Die DMD2-App ist eine App, mit der man erstens eine normale Navigation machen kann, die aber auch Schotter oder Offroad-Straßen anzeigt (aber ohne Garantie, dass diese legal sind). Zweitens kann man auch ein elektronisches Roadbook fahren. Und das wollte ich natürlich ausprobieren. Die App lässt sich entweder auf einem Android-Handy oder Tablet kostenlos installieren. Heinrich Wack war auch einer der Gäste am Feuer. Er ist Partner von Thork Racing und vertreibt die Produkte hier in Deutschland und hilft auch bei der Programmierung der App. Das war natürlich sehr interessant, und Heinrich ist ein toller Zeitgenosse, dem man Stundenlang zuhören kann. Hier ist der Link zu seiner Webseite HWO-Elektronik.

Irgendwann begab auch ich mich Richtung Zelt und legte mich zum Schlafen hin. Sich irgendetwas auf dem Handy zu schauen oder zu lesen war eh nicht möglich. Bei meinem Schlafsack ging dann auch noch der Reißverschluss kaputt. Aber es störte mich nicht. Noch nicht! Ich schlief auch eigentlich schnell ein, aber mitten in der Nacht wurde ich wach. Mein Körper zitterte von oben bis unten. Es dauerte ein Weilchen, bis ich begriff, dass mir kalt war. Obwohl ich mich immer mehr einmummelte, bekam ich nicht warm. Also blieb mir nichts anderes übrig, als etwas anzuziehen. Vorsichtshalber hatte ich noch die lange Thermounterwäsche mitgenommen. Diese zog ich mir dann an. Das half ein wenig und ich schlief auch wieder irgendwann ein. Aber ich war froh, als die Nacht vorbei war.

Roadbook fahren! – Aber mit Navi ist auch schön
Nach dem Frühstück taute ich dann langsam wieder auf und unsere Gruppe machte sich fertig für die Ausfahrt. Heinrich gab uns noch ein paar Tipps bezüglich der Navigation. Gegen 10:30 Uhr fuhren wir los. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt und den ganzen Tag eigentlich optimal zum Motorradfahren.



Wir fuhren hoch zum Johanniskreuz und versuchten dort, die Navigation per Roadbook zu starten. Mir kam die ersten Meter noch gut mit, aber dann verließen sie ihn. Nicht nur ich, sondern wir alle vier verloren den Überblick. Ohne automatisches Weiterdrehen und ohne Steuerung der App per Lenkrad konnten wir den Anweisungen des Roadbooks leider nicht zeitgleich folgen. So war es uns nicht möglich, die Route des Roadbooks zu fahren. Also schalteten wir auf normale Navigation um und fuhren die Strecke so ab. Spaß hatten wir trotzdem und eine wunderschöne Route. Vom Johanniskreuz aus fuhren wir in Richtung Weißenberg und Wilgartswiesen; dann ging es weiter Richtung Hauenstein und französische Grenze. In Niedersteinbach setzten wir uns in ein Café und aßen ein Stück Kuchen.
Wir fuhren dann wieder zurück. Dabei trennten wir uns kurz vor dem Ziel. Ich fuhr direkt durch nach Pirmasens und suchte mir einen Laden, in dem ich mir einen Pullover und eine Decke kaufen konnte. Die Wolldecke glich eher einem erlegten Bären. Für die nächsten Nächte sollte sie genügen, und unsere Katzen würden sich bestimmt darüber freuen. (Dem war auch so.)
Gegen 16:15 Uhr war ich wieder im Camp. Abends am Lagerfeuer wurde besprochen, was wir falsch gemacht hatten. Aber wie schon gesagt war es schwer, ohne Steuerung oder Hebe das Roadbook weiter zu scrollen. Da muss auf jeden Fall noch Abhilfe geschaffen werden. Die Stimmung war auch an diesem Abend wieder super und es gab viel Gesprächsstoff. Wer welche Strecke gefahren ist und wie er gefahren ist. In dieser Nacht schlief ich ein gutes Stück besser als in der Nacht davor. Außer, dass mitten in der Nacht wahrscheinlich ein Hirsch sich irgendwo im Wald vergnügte. Ich bin sehr froh gewesen, dass er nicht auf die Idee kam, in das Zelt zu kommen.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann die große Runde, die uns André vorgeschlagen hatte. Vom Camp aus fuhren wir in Richtung Eschkopf und dann über Elmstein nach Maikammer. Die Pfalz mit ihren vielen Weinkellern ist wirklich sehr sehenswert und wenn wir nicht mit den Mopeds unterwegs gewesen wären, hätten wir bestimmt irgendwo kehrt gemacht und eine kleine Brotzeit mit Weinverköstigung uns gegönnt.


Über den Kesselberg nach Albersweiler, Raischbach bis nach Klingenmünster zur Burg Landeck. Dort aßen wir etwas Kleines zu Mittag und genossen die Aussicht. Das Essen war gut und preislich absolut in Ordnung. Eine Stunde später machten wir uns auf den Weg, um für das Abendessen zu jagen. Also fuhren wir wieder Richtung Camp. Über Dahn zurück nach Waldfischbach. Ich wollte eigentlich etwas von einer Wildmetzgerei holen, aber leider habe ich diese nicht gefunden. Also blieb es bei Standard-Grillgut. Kleine Anmerkung: Beim nächsten Camp werde ich einen Schwenker-Kurs anbieten. So etwas kann man sich ja als Saarländer nicht entgehen lassen.




Abends am Lagerfeuer hatten wir wieder tolle Gespräche. Viel Liebe geht raus an Olli und Thomas. Falls nicht die anderen ins Bett gegangen wären, würden wir jetzt noch da sitzen. Auch schöne Grüße an Michael, Chris und alle anderen Bären. Einfach immer wieder ein Erlebnis, mit Leuten aus dem Bearsiversum zu plaudern.



Camp 54 – oder schon 53?!
Obwohl fast alle donnerstagsabends noch verzweifelt versucht haben, irgendwo auf dem Platz Handyempfang zu bekommen, wurde als einer der Hauptgründe genannt, warum man wieder hierhin fahren sollte, dass es hier keinen Handyempfang gibt. Nach einem kalten Entzug ist das alles plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Aber trotzdem waren sich alle Beteiligten einig, dass dieses kleine Event wiederholt werden muss. Ich weiß noch nicht, wann und wie es stattfinden wird, aber ich hoffe sehr, dass ich wieder hinfahren kann.
Grüße und einen schönen Restsommer
euer
Mueschel
