Saarland. Mitte der 80ziger Jahre bis Anfang der 90er Jahre. Ein vereintes und grenzoffenes Europa gibt es so wie in der heutigen Form noch nicht. Die Europäische Union gab es so, besonders mit der Zuständigkeit in der Politik, noch nicht. Die Spaltung zwischen Ost und West war immer noch da. Es gab keine einheitliche Währung und ein Einheitsgefühl gab es auch nicht wirklich.
Als Kind habe ich das alles weder wirklich mitbekommen noch verstanden.
Sonntags vor dem Mittagessen fuhr mein Dad gerne nach Luxemburg tanken und für meine Mutter Zigaretten kaufen. Selbst damals schon lohnte es sich und es war so ein kleines Ritual bei uns. Für uns als Kinder war es immer etwas besonders, mit unserem Vater nach Luxemburg zu fahren. Remich, die Autobahn nach Schengen gab es damals noch nicht, war für Grenznahe die Anlaufstelle für Sprit, Kaffee und Zigaretten. Was damals normal war und heute eigentlich keine Beachtung mehr findet, dass mein Vater immer an die Kinderausweise des oder der jeweiligen mitfahrenden Kinder denken musste. Es war ja schließlich Ausland und es konnte immer passieren, dass man kontrolliert wurde.
Bezahlen konnte man damals in D-Mark oder luxemburgischen Franken.

Das Schengener Abkommen wurde 1985 unterschrieben und 1992 wurde die EU gegründet. Auf einmal wurde alles anders. Die Beamten an den Grenzen wurden nach und nach weniger und in die alten Zollgebäude kamen die ersten Imbissbuden oder Grenzkebaps rein. Die Anzahl der jeweiligen Grenzgänger, also Menschen, die „rüber“ fuhren um zu arbeiten wurde mehr. Genauso wie sich der Wohnungsmarkt veränderte und mittlerweile dramatisch ist, was die Preise betrifft.

Ende der 90-er, Anfang 2000-er, genau weiß ich es nicht mehr, wurde die Autobahn ausgebaut und ging an Schengen vorbei durch den Markustunnel nach Luxemburg. Ohne Kontrollen, keine Grenzen. Ein Europa. Das Schengener Abkommen wurde hier am 14.06.1985 unterzeichnet und stand fast 40 Jahre lang für ein geeintes und freies Europa.

Mittlerweile arbeite ich seit mehr als 15 Jahren im Großherzogtum und genieße die Vorteile, die dies mit sich bringt, ertrage aber auch die dazugehörigen Nachteile. Dazu gehört vor allem, die vielen Kilometer und der Verkehr. Dieser war auch ohne Grenzkontrollen schon nicht gerade wenig. Aber sowas weiß man vorher und entweder man kommt klar damit, oder halt nicht. Ich denke, dass jeder gerne nach der Arbeit pünktlich und stressfrei nach Hause kommt.
Vorsicht: freie Meinung!
Das Öffnen der Grenzen ergab schon immer Diskussionsstoff. Und das schon vor der Flüchtlingskrise. Geschichte kann man nicht ändern (auch wenn manche Präsidenten das versuchen) und man muss mit dem hier und jetzt klar kommen. Ich möchte hier auch keine grundsätzliche Diskussionen aufkommen lassen, da diese in der Regel eh zu nichts führen. Aber eine klare Meinung habe ich: Die jetzigen Grenzkontrollen sind absoluter Quatsch. Sie verursachen Kosten zum Bezahlen der Beamte für 24/7 vor Ort zu sein. Sie verursachen Kosten in Form von Zeit und dementsprechenden Lohnkosten bei Grenzgängern und Firmen, und sind in der Relation zu den nicht kontrollierten Grenzen absolut wirkungslos. Dieses Geld und die benötigten Beamte würde man besser im Land, in den Städten und in den Dörfern mehr haben, als dort die Polizeipräsenz zu verkleinern.
Aber das sind auch nur meine 10 Cent zu diesem Thema. Ich hoffe sehr, dass sich alles wieder beruhigt und die Menschen wissen, was für ein Glück sie haben, in einer friedlichen Zeit aufzuwachsen und diese auch an ihre Kinder weiterzugeben. Ich weiß, die Zeiten sind härter geworden, aber muss man deswegen seine Menschlichkeit und Vernunft verlieren?
In Zeiten, in der Motorradreisendesichdarüber fruen, dass bestimmte Grenzen sich öffnen, machen wir wieder welche zu.Ich hoffe sehr, dass dies nur eine temporäre Phase ist.
Bis bald
euer Mueschel
PS: In der Zwischenzeit haben sich die Staatschefs von Luxemburg und Deutschland auf eine zeitweise Aussetzung der Grenzkontrollen geeinigt. Auf jeden Fall mal an der Grenze zu Schengen ab dem 01.08.2025. Wir werden sehen, wie es weiter geht.
